Forschungsberichte | Erfolgsstorys
Das Translationale Forschungspraktikum öffnet unseren Studierenden den Blick auf das eigene Forschungsinteresse. Was hat sie an der wissenschaftlichen Arbeit begeistert, welche Herausforderungen haben sich ergeben. Eine Auswahl an Erfahrungsberichten haben wir hier zusammengestellt.
"Investigating myelination changes in a mouse model of DYT-TOR1A"

Kurzprofil
Ich bin ein sehr neugieriger Mensch, der Freude daran hat, Neues zu lernen. In der Humanmedizin findet man eine Unendlichkeit an Wissen, welches gekoppelt an die offenen Fragen der Wissenschaft eine Symbiose bildet, die mich jeden Tag aufs Neue hin begeistert.
Im Neural Circuits for Movement Laboratory in London arbeitet ein internationales Team auf dem Gebiet der neuromuskulären Erkrankungen und erforscht die zugrunde liegenden Mechanismen der neuronalen Schaltkreise, die Bewegung steuern. Ich hatte die Möglichkeit, an meinem eigenen Projekt zur Primären Dystonie zu arbeiten. Das Ziel war die Entwicklung und Schreiben eines Codes, welcher mit Hilfe eines Programms die Unterschiede in myelinisierten Axonen der dorsalen und ventralen lumbalen Rückenmarkswurzeln auf Elektronenmikroskop-Bildern in kranken und gesunden Mäusen analysierte.
Mein dreimonatiges Forschungspraktikum am Queen Square Institute of Neurology in London hat mich in vielerlei Hinsicht begeistert. Ich bin bis heute dankbar, dass mir das Team die Freiheit und das Vertrauen geschenkt hat, im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten selbstständig an einem Projekt zu arbeiten. Somit durfte ich, wie andere Forschende im Team, meine Zeit selbstständig einteilen, war allerdings auch für das Vorantreiben meiner eigenen Arbeit verantwortlich. Es war sehr befriedigend, diese Selbstverantwortung wahrzunehmen und zuweilen bis spätabends im Labor zu sein. Die ersten Schritte einer Forschungsarbeit sind mit stagnierendem Fortschritt und Rückschlägen verbunden, mit denen man umgehen muss, aber das Gelernte und die Erfolgsmomente sind umso bereichernder. Während der Arbeit an meinem Projekt entdeckte ich das Coden als eine neue Leidenschaft.
Besondere Erkenntnisse
Offenheit und Ehrlichkeit. Mein Forschungspraktikum hat mich gelehrt, dass man durch eine offene Einstellung und aktives, ehrliches Interesse sehr viel dazu lernen und erreichen kann.
Praktikumsort
Neural Circuits for Movement Laboratory – Department of Neuromuscular Diseases, Queen Square Institute of Neurology, University College London (UCL), London, UK
Abschlussjahr Bachelor: 2024
Vorhersage des Medikamentenansprechens bei AML-Patienten mithilfe von Boolean Network Modellen

Kurzes Profil
Ich finde, dass Medizin ein spannendes Fach ist, weil man der Funktion und Komplexität des menschlichen Körpers immer weiter auf den Grund gehen kann, um dieses Wissen gegen Krankheiten einzusetzen. In der Humanmedizin kommt hinzu, dass man den Menschen nicht nur als naturwissenschaftliches Objekt betrachtet, sondern als ein Gegenüber mit Gedanken und Gefühlen. Das fasziniert mich an der Medizin.
Mein Forschungspraktikum fand am Institute for Systems Biology in Seattle (USA) statt. Dort durfte ich mithilfe von Data Science an Modellen für Patienten mit akuter myeloischer Leukämie mitarbeiten. Es ging darum, individuelle Vorhersagen für das Therapieansprechen zu treffen. Ich durfte an einem Boolean Network Modell mitwirken, das bestimmte biologische Wechselwirkungen von aktivierten und inaktivierten Genen vereinfacht darstellt. Ziel war es, einen Digitalen Zwilling zu erstellen. Das Modell sollte nämlich Daten von Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) berücksichtigen und so individuelle Vorhersagen für das Therapieansprechen treffen. Überprüft haben wir das Modell an einem Datensatz von echten Patienten. Ich fand es spannend zu sehen, wie Data Science mit biomedizinischem Wissen verknüpft wurde, um das Modell stetig zu verbessern. Besonders bereichernd war auch der Austausch mit internationalen Kolleginnen und Kollegen aus der Forschung, mit denen ich über verschiedene Problemstellungen und Lösungsansätze nachdenken konnte. Es war faszinierend zu erleben, wie viel Kreativität, Begeisterung und Durchhaltevermögen in der Forschung stecken. Dieser ‚Forschergeist‘ hat mich motiviert, auch in meiner Zukunft an der Forschung mitzuwirken.
Besondere Erkenntnisse
Neben der Forschung fand ich die Auslandserfahrung sehr wertvoll. Das TFP ist eine sehr gute Gelegenheit, einige Wochen in einem fremden Land zu leben, die Sprachkenntnisse zu verbessern und Menschen in einem internationalen Umfeld kennenzulernen. Das TFP im Ausland zu machen, kann ich jedem empfehlen.
Praktikumsort
Institute for Systems Biology in Seattle (USA)
Abschlussjahr Bachelor: 2024
"100 women"

Kurzprofil
Mein Name ist Jana und ich lasse mich gerne für die unterschiedlichsten Dinge begeistern. Aus diesem Grund gefällt mir das Medizinstudium mit seiner Diversität sehr.
Ich habe mein Forschungspraktikum in Auckland Neuseeland unter der Leitung von Dr. Lillian Ng absolviert. Mein Fokus lag auf einer Studie mit dem Titel "100 women", bei dem Daten von 100 Frauen aus ausgewählten Kliniken in Auckland gesammelt wurden. Ziel der Studie war es Risiken im Bereich der psychischen Gesundheit, sowie Aspekte der Gesundheitsnutzung zu identifizieren, speziell mit dem Schwerpunkt auf Traumata. Zudem durfte ich Dr. Ng auch im klinischen Alltag begleiten. Dazu gehörten unter anderem die Betreuung von Patientinnen im Bereich maternal health care services, psychisches Gutachten von Straftätern, sowie Mental-Health-Act Fälle vor dem Familiengericht.
Besondere Erkenntnisse
Mein Forschungspraktikum in Neuseeland war eine unglaublich bereichernde Erfahrung. In den sechs Wochen konnte ich nicht nur meine Englischkenntnisse deutlich verbessern, sondern auch spannende neue Perspektiven auf ein anderes Gesundheitssystem gewinnen. Besonders prägend war die enge Zusammenarbeit mit meiner Chefin, die mir wertvolle Einblicke in die Welt der Forschung ermöglicht hat. Dr. Ng hat mir gezeigt, dass es durchaus möglich ist, klinische Arbeit und Forschung miteinander zu verbinden – eine Perspektive, die mich sehr inspiriert hat.
Wenn ich zukünftigen Studierenden einen Rat geben könnte, dann wäre es, aktiv nach einem Praktikum zu suchen, das zu den eigenen Interessen passt. Diese Gelegenheit zu nutzen, bedeutet nicht nur berufliche, sondern auch persönliche Weiterentwicklung und sie bietet die wunderbare Möglichkeit, neue Orte zu entdecken und wertvolle Erfahrungen zu sammeln.
Praktikumsort
University of Auckland
Abschlussjahr Bachelor: 2024
Assessing Structural Manifestations of KCNQ1 Gene Knockout in Zebrafish

Kurzprofil
Nach meinem Bachelorabschluss 2024 habe ich meinen Master in Humanmedizin an der Universität Basel begonnen. Mit einer Faszination für die Verbindung von Forschung und klinischer Praxis, insbesondere in der Kardiologie, bin ich motiviert, aktiv zur Gesundheit und Lebensqualität anderer beizutragen. Neben dem Studium engagiere ich mich mit Sozialprojekten im Rotaract Club Zürich und finde beim Skifahren oder Tennisspielen meinen sportlichen Ausgleich.
Während meines Forschungspraktikums an der Harvard Medical School untersuchte ich die genetische Modifikation des KCNQ1-Gens in Zebrafischen, das aufgrund seiner Codierung für eine Untereinheit der Kaliumkanäle mit dem Long-QT-Syndrom assoziiert wird. Mithilfe von CRISPR-Cas9 zielte ich darauf ab, das Gen vollständig zu extrahieren und die Auswirkungen auf die Herzfunktion systematisch zu analysieren. Zu meinen Aufgaben gehörten die Durchführung von CRISPR-Injektionen, Sequenzanalysen, kardiale Leistungsmessungen sowie das optische Mapping elektrophysiologischer Signale nach Herzisolation. Neben der kardiospezifischen Entwicklung untersuchte ich auch allgemeine Organveränderungen, die durch eine KCNQ1-Mutation hervorgerufen werden können, und visualisierte diese mithilfe von Fluoreszenzfischen.
Besonders faszinierend war zu beobachten, wie genetische Modifikationen die Herzentwicklung und -funktion direkt beeinflussen und so wertvolle Einblicke in die zugrunde liegende Physiologie des Long-QT-Syndroms lieferten. Die Arbeit an der Schnittstelle von Grundlagenforschung und Klinik trägt wesentlich zur Entwicklung innovativer Therapieansätze bei.
Besondere Erkenntnisse
Während meines Forschungspraktikums habe ich die Bedeutung von Präzision, Ausdauer und interdisziplinärer Zusammenarbeit in praktischer Anwendung erfahren – Eigenschaften, die auch in meiner medizinischen Karriere essenziell sind. Die Arbeit im Labor hat mir gezeigt, wie wertvoll es ist, Sachverhalte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und dabei eine gesunde wissenschaftliche Reflexion zu bewahren.
Meine Empfehlung
Es lohnt sich, die Chance zu ergreifen und ein Forschungspraktikum im Ausland anzustreben. Es bietet nicht nur die Möglichkeit, unterschiedliche wissenschaftliche Ansätze zu erproben, sondern auch von internationalen Experten zu lernen und dabei die persönliche Weiterentwicklung zu fördern.
Praktikumsort
Harvard Medical School, Boston (USA)
Abschlussjahr Bachelor: 2024